Korruption im Rat der Planeten
“Wenn man seine Helden nicht alle sterben lässt, kann man im nächsten Band einfach weitermachen. Nach dem Rezept arbeiten ganze Roman- und Filmserien der SF. Und irgendwie hatte auch Tino Hemmann keine Lust, seine große Space-Parodie als Trilogie stehen zu lassen”, stellt Ralf Julke in seiner Rezension für die Leipziger SciFi-begeisterten fest. Daher ist nun der vierte Band einer vielleicht in der Zukunft medienträchtigen Reihe auf dem Markt: Das intergalaktische Trauerspiel: Goethes “Egmont” als Weltall-Saga mit Knalleffekt!
“Eigentlich eine Doppel-Parodie: Die Politik der irdischen Gegenwart spiegelt sich in den Bänden genauso wie die in der Regel primitiven und auch nicht wissenschaftlich begründbaren Regeln der Science Fiction, wie sie in den diversen Space-Operas angewendet werden. Doch was im mindesten Fall wissenschaftliche Utopie ist, ist natürlich in den moralischen Vorstellungen vieler Menschen die tägliche Realität. Nicht ohne Grund erinnern viele Tarnbezeichnungen us-amerikanischer Militär-Operationen an die großen Serien von StarTrek bis StarWars, in denen geschossen wird, als wären die Energiespeicher unendlich, so schnell gereist wird, als wäre ein Vielfaches der Lichtgeschwindigkeit normal … Man gibt sich gar nicht mehr ab mit dem Versuch, die Dimensionen des Weltalls zu erklären und all die Schwierigkeiten, die der gewaltige Raum schon für das Übermitteln simpelster Botschaften bietet”, schreibt Ralf Julke von der Leipziger Internetzeitung, um fotzufahren: “Und jetzt erzählt Hemmann einmal eine Geschichte, die die meisten SF-Autoren einfach weglassen: nämlich die, wie all die Superkampfschiffe, die Roboterheere und Antimaterie-Vernichtungswaffen alle entstehen. Natürlich steckt ein gigantisches Firmenkonsortium dahinter und einige der fiesen Akteure haben natürlich ihre Aktienpakete, mit denen sie tüchtig verdienen, wenn die Weltengemeinschaft in Angst und Schrecken versetzt wird und die Staaten panisch beginnen aufzurüsten.
Sehr irdisch. Sehr vertraut. Bis hin zum Missbrauch der Medien, den getürkten Bedrohungsszenarios, den unerklärlichen Terrorangriffen, die man dann einer beliebigen Terrororganisation in die Schuhe schiebt. Und wenn man keine Terroristen hat, dann macht man eben bestimmte Leute zu solchen, erklärt sie für vogelfrei und eröffnet die Jagd. Oder man sorgt mit medialer Wucht dafür, dass die verängstigten Zuschauer wieder an Schurkenstaaten glauben.
Es geht also auch in Band 4 keineswegs friedlich zu. Diesmal spielt Goethes “Egmont” eine gewisse Rolle für die Rahmengebung, zumindest bis zur Hälfte des Buches, wo dann der Schurke Amabo erfahren muss, dass es im Weltall noch eine viel rücksichtslosere Schurkin gibt. Ab da klappt das mit der Abfolge der geplanten Akte nicht mehr so ganz. Wieder einmal wird im Rat der Planeten eine Bombe gezündet. So recht ernst zu nehmen ist der Laden augenscheinlich nicht. Und was diesmal nicht gelingt: die große Schurkin Inastasia zu besiegen. Sie sorgt dafür, dass der Weltraum aufgeräumt wird, die Hälfte für die Ikonier, die Hälfte für die Menschen – und ganze Planetenbevölkerungen müssen umziehen. Und da ihr nun der größte Batzen an der Militärgüterindustrie gehört, ist abzusehen, was da im fünften Band passieren wird: Mord und Totschlag auf galaktisch.
Zumindest wäre das das irdische Muster. Denn irgendwie kann man ja Kriege nicht einfach beenden, wenn man sie mit Pomp und Gloria erst mal angefangen hat. Da hat man extra Schurken erfunden. Man hat seine ganze Ehre drangesetzt, da kann man doch nicht einfach kneifen. Wäre doch peinlich, oder? – So wird es zumindest gern verkauft, zusammen mit Geschwätz über Truppe, Ausrüstung und Strategie. Bleibt noch der Verdacht, dass Anna ein bisschen an Größenwahn leidet und keine gute Kaiserin sein wird. Aber das wird man erst erfahren, wenn Band 5 erscheint. Der aber ist erst für 2011 geplant.”
Für alle diejenigen, die keine Ahnung davon haben, worum es hier geht:
Das Universum, über das der korrupte Rat der Planeten herrscht, ist in drei voneinander getrennte Distrikte unterteilt. Zwei intelligente Lebensformen – Menschen und Ikonier – bevölkern zwei dieser Distrikte, selbstverständlich meist im Clinch miteinander, den gewissenlose Kampfthronarios und Streitroboter auf Kosten der zivilen Bevölkerung austragen. An den Kriegen verdienen die Mächtigen im Rat der Planeten, denn ihre Anteile an den Rüstungskartellen nehmen rasch an Wert zu.
Im Ersten Distrikt, der nicht ohne weiteres erreichbar ist, dreht ein Planet seine Kreise, der einerseits Rückzugsgebiet für Verfolgte, andererseits bevorzugtes Eroberungsfeld der Rüstungsgiganten ist: Die Erde.
Im vierten, gerade veröffentlichten Band spielt Goethes Egmont eine bedeutsame Rolle, denn dieses druckfrische Buch bringt ein M”baganianer namens Fau Holl als Beweisstück einer versehentlichen Zeitreise von der Erde mit, nachdem er einen neuerlichen Übergang in den Ersten Distrikt entdeckt hatte. Damit dass er sein Wissen an einen korrupten Politiker des Rates der Planeten verkaufen will, löst Fau Holl eine Welle der Gewalt aus. Nicht umsonst ist der Titel von Band vier: Das intergalaktische Trauerspiel.
Hemmanns Idee, ein Replikat der irdischen Vereinten Nationen ins Universum zu verlegen, so dass es dort die Planeten vereint, schafft ungeahnte Möglichkeiten, Probleme unserer heutigen Zivilisation gedanklich auszulagern. Er beweist, dass kaum eine Gesellschaft mehrerer Individuen fähig sein wird, ohne Korruption, Kriege und Machtkämpfe auszukommen.
Die kurzweilige Unterhaltung ist ab 12 Jahren empfohlen. Langeweile kommt nie auf. Am Ende bleibt lediglich die Frage: Wann folgt der Film?
Eine bunte Internetseite jedenfalls gibt es bereits: www.rat-der-planeten.de
Für alle, die Science Fiction lieben: Hemmann tritt mit Heimvorteil zur Eröffnungslesung während der 10. Elstercon 2010 am 17.9. ab 18 Uhr im Leipziger Haus des Buches (gemeinsam mit Jork Steffen Negelen) an.
“Der Rat der Planeten – Viertes Buch. Das intergalaktische Trauerspiel”, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86901-903-1 (Rezensionsexemplare bitte über info@engelsdorfer-verlag.de bestellen!)<