Historische Rarität: Kriegs-Tagebuch von Ludwig Bückle jetzt als Buch erhältlich

Buchcover

Es sind wenige so ausführliche und authentische Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkrieges vorhanden, wie das Tagebuch des Schwaben Ludwig Bückle, der in ausdrucksvollen Beschreibungen sein tägliches Leben in den französischen Schützengräben und zwischen Kamelen im Nahen Osten beschreibt. Diese handgeschriebene Dokument, das mehr als 400 Seiten umfasst lag jahrelang im Stadtarchiv der Gemeinde Münsingens und hat dort historischen Forschungen aus der Kriegszeit gedient.

Wir empfehlen dieses Werk für alle die sich für die europäische Geschichte interessieren.

Erweiterte Information

…Auszug aus dem Tagebuch

…..27 September 1914: …..Die Stäbe sind in den besseren Häusern einquartiert und essen nicht mehr aus der Feldküche, das sollte im Krieg nicht sein dürfen. Im Wald sind wir durch sappieren teilweise so nahe an die feindliche Stellung herangekommen, dass wir die Franzosen gut sprechen und sogar Handharmonika spielen hören, wenn alles ruhig ist. Es geht das Gerücht, dass bald ein Sturm stattfinden soll. Die Nächte sind ganz empfindlich kalt, hauptsächlich durch das fortwährende Regenwetter. In den nassen Erdlöchern wollen die Füße überhaupt nicht mehr warm werden. Überall ist ein zäher lehmiger Brei, dass wir fast die Stiefel darin stecken lassen. Auch die Feldküche kann nur noch bis an den Wald heranfahren, dadurch ist das Essen holen bedeutend erschwert und anstrengend. Am Löhnungstage kommt der Feldwebel in unsere Reservestellung und zahlt aus. Er erzählt uns, dass jetzt Binarville schwer unter Artilleriefeuer liegt und durch einen Volltreffer in einer Scheune 13 Pferde getötet wurden. Auch Infanteriegeschosse verirren sich ab und zu in das Dorf. Auf diese Art ist unser Vizefeldwebel Mohn geb. in Mehrstetten im Dorf an der Feldküche schwer verwundet worden. Jetzt muss das ganze Dorf geräumt und die Ruhelager rückwärts in die Waldtäler verlegt werden. An Bauholz fehlt es ja nicht in den herrlichen Eichenbeständen. Eine Sägmühle in der Nähe soll wieder in Betrieb gesetzt werden um Schnittwaren herzustellen. Vor meiner letzten Ablösung wurde ich mit einem MG zur Unterstützung eines Angriffs auf unserem rechten Regimentsabschnitt eingesetzt. Der feindliche Graben, welcher etwa 30 Meter von uns entfernt ist, wird durch unsere beiden Feldgeschütze eine Zeitlang von der Flanke bombardiert.

Außerdem haben Pioniere an 2 Stellen den feindlichen Graben unterminiert. Noch 1 Stunde vor der Sprengung tauschten Freund und Feind durch hinüberwerfen von Zigarettenschachteln, Zigarren und Zigaretten aus. “Merci Kamerad” rufen die Franzosen nach solchem Tauschgeschäft zu uns herüber. Zur festgesetzten Zeit nehmen unsere Pioniere die Sprengungen vor. Dies ist der Auftakt zum Angriff für unsere Infanterie. Es gelingt nur auf dem rechten Flügel, den feindlichen Graben zu erreichen, während links die Linie unter schweren Verlusten zurückgenommen werden muss. Von einem Zug kommen nur noch 9 Mann zurück, alle anderen liegen tot oder verwundet zwischen den Stellungen und können nicht hereingeholt werden. Die ganze Nacht werden Versuche unternommen, die Leute hereinzuholen, leider gelingt dies nur zum Teil und wieder unter Verlusten. Die armen Kameraden haben die halbe Nacht geschrieen und sind durch die Schießerei erneut noch mal verwundet worden. Gegen Morgen hörten wir ab und zu noch ein leises Wimmern, wahrscheinlich ging’s bei den meisten dem Ende zu. Trotz dem Jammer unserer bedauernswerten Kameraden, sang im französischen Graben einer noch ein Lied dazu. So eine Rohheit. Der rechte Flügel hing jetzt in der Luft und war nur durch eine Sandsackmauer von den Franzosen getrennt. Ein erbitterter Handgranatenkampf tobte hauptsächlich nachts an dieser Stelle, dass schleunigst ein neuer Verhinderungsgraben vorsappiert werden muss. Dies dauert einige Tage bis die Stellung wieder durchlaufend wird.

(36) An den französischen Handgranaten sind alte Drahtstifte und sonstige Eisenstücke mit Draht umgebunden, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Wir haben bis jetzt nur die gelben Sprengladungen, welche an einem Brettchen befestigt sind und mit Zündschnur entzündet werden müssen….Dieselben werden von den Pionieren in Binarville selbst angefertigt und sind mehr als primitiv. Die Handgranaten der Franzosen können durch einen Schlag auf den Stiefelabsatz zur Entzündung gebracht werden. Unsere Toten vor dem Graben werden nach einigen Tagen ganz schwarz und aufgedunsen und verbreiten einen üblen Geruch. Wenn dann der Wind noch gegen uns weht, ist’s an so einer Stelle kaum zum aushalten. Jede Nacht werfen die Franzosen an den brenzligen Stellen Handgranaten, um das sappieren zu verhindern. Beim geringsten Geräusch geht eine Schießerei los, was regelmäßig Verluste durch Querschläge verursacht. Die französische Artillerie ist wieder mucker[1] und treibt einen Munitionsaufwand, dass man sich wundern muss, wo die so Masse Granaten alle herkommen. Da kann unsere Artillerie nicht mehr landen……

Am 28. November 1914
………werde ich mit einem MG zu Regt. 127 kommandiert, um dort bei einem Sturm mitzumachen. Der feindliche Sturmabschnitt wird von einer Batterie 15er Feldhaubitzen 1 Stunde lang unter Feuer gehalten. Um Verluste in den eigenen Reihen durch zu kurz gehende Geschosse zu vermeiden, wird die vordere Linie, solange in den 2. Graben zurückgenommen. Ich setze soviel Vertrauen in unsere Artillerie und bleibe mit meinem MG vorn. Kaum hatten wir jedoch volle Deckung genommen, sitzen schon einige Schuss hinter unserem Graben. Zum Glück gehen die nächsten wieder in die feindliche Linie. Endlich kommt die Infanterie mit den kleinen Leitern vor und macht sich zum Sturm fertig. Dieses Warten auf das hinaussteigen zum Schützengraben ist immer eine schwere seelische Krise für jeden einzelnen. Die Nerven sind auf das höchste angespannt. Während der eine noch in seinem Gebetsbüchlein liest, verzehrt der andere die letzten Reste von einem Liebesgabenpaket oder raucht noch schnell eine Zigarette oder macht gar nichts und starrt vor sich hin. Neben mir steht ein Unteroffizier und sagt uns, dass er das Gefühl habe, dass er bald fallen werde. Wir reden es ihm aus, aber er schweigt dazu. Auf die Minute hat die Artillerie ihr Feuer weiter hinter die feindliche Linie verlegt, ein kurzer Pfiff ist für die Infanterie das Zeichen über den Grabenrand hinauszuklettern und auf den feindlichen Graben abzuspringen. Der Feind war nicht unvorbereitet. Sofort setzt Gewehrfeuer ein, die Zeit ist aber zu kurz, alle vorspringenden Leute abzuschießen und so erreichen die meisten den feindlichen Graben. Wir klettern mit der 2. Welle über den Grabenrand hinaus und schleppen unser MG an die feindliche Grabenböschung heran. Kaum 2 Meter von unserem Graben sehe ich im Vorbeispringen den Unteroffizier gefallen am Boden liegen, seine Ahnung hat ihn also nicht betrogen……

6 juli 1916….. Das schönste aber war, dass mir eine Kamellast übrig blieb. Ich zählte und zählte, der Kompanieführer zählte, der Dolmetscher zählte, Arslan wurde ins Gebet genommen, alles half nichts bis sich zu guter Letzt herausstellte, dass ein Kamel fehlte und wahrscheinlich in der letzten Nacht verkauft oder gestohlen worden war. Da alle Tiere fast gleich waren, konnte ich nicht mehr feststellen, welchem Treiber seines fehlte und aus den Arabern war absolut nichts herauszubringen. Mein Kompanieführer kam fast aus dem Häuschen und machte mich für diesen Saustall verantwortlich. Doch ließ ich mir auch nicht unrecht tun und wehrte mich natürlich auch, so gut ich konnte. Zunächst blieb nichts anderes übrig, als die übrig gebliebene Last auf die anderen Kamele zu verteilen. Wir waren fast auf die Minute fertig, als die Karawane sich in Marsch setzte. Mein Kompanieführer ließ mich und Lorenz sowie Arslan zurück, um das abhanden gekommene Kamel wieder aufzutreiben, wir sollten dann möglichst rasch noch in dieser Nacht nachkommen. Das war aber leichter gesagt als getan, wo sollten wir nun ein Kamel herbringen. Lorenz beruhigte mich aber und behauptete, in einigen Stunden, wenn es Nacht sei, wolle er ein Kamel beibringen. Wir beratschlagten nun, wie es am besten angegangen werden kann. Zuletzt kommen wir dahin überein, ich sollte an den Brunnen gehen, wo die Kamele abends zur Tränke geführt wurden, während Lorenz und Arslan jeder auf eigene Faust in den verschiedenen Lagern der österreichischen Artillerie und der Türken sich bemühen sollten. Unsere Pferde, ich habe inzwischen wieder einen Gaul bekommen, brachten wir einem beim Wachkommando zurück gebliebenen Mann unserer Kompanie; dann ging’s aufs Geradewohl auf die Kameljagd, nachdem ich Koppel und Tropenhelm abgelegt hatte um nicht so aufzufallen und bessere Bewegungsfreiheit zu haben. Zunächst ging ich als harmloser Bummler nach den Brunnen und spionierte, ob sich nicht eine geschickte Gelegenheit ergab. Es war aber nicht so leicht, denn überall hockten müßige Türken und Araber auf dem Platze herum, die mich beobachteten. Mein erster Versuch missglückte deshalb (176) kläglich.

Ein Treiber kam mit 4 Tieren von der Tränke, das letzte davon hatte ich mir ins Auge gefasst und schlich mich so sachte hinten heran. Eben erhob ich meine Hände nach dem Halfterstrick um ihn abzuschneiden, als ein in der Nähe sitzender Türke den Treiber durch Zuruf aufmerksam machte. Jetzt war es schon verpfuscht, ich machte mich deshalb wieder aus dem Staube, ohne mich mit dem schimpfenden Treiber auf große Auseinandersetzungen einzulassen. So hatte es keinen Wert, ich musste warten, bis es etwas dunkler geworden war. Fast an der gleichen Stelle kam wieder ein Treiber mit 5 Kamelen von dem Brunnen. Zum Glück wurde ich diesmal nicht beobachtet und versuchte mein Glück auf die gleiche Weise noch mal. Der Treiber saß auf einem Esel und sang so vor sich hin, er war so in seinen Gesang vertieft, dass er nicht merkte, wie ein Räuber sich von hinten an seine Tiere heranschlich und mit einem raschen Schnitt das hinterste Tier loslöste. Ohne mich nach rechts oder links umzusehen, zog ich an meinem Halfterstrick mit Leibeskräften nach der entgegengesetzten Richtung; das Tier folgte nur ungern und zog immer wieder zu den anderen zurück. Als alles ruhig bleibt und ich in der Dämmerung schon außer Sichtweite mich halte, riskiere ich endlich, mich umzusehen. Aber oh Schreck, was ist denn das, ich habe ja 2 Kamele hinter mir. Nur so schnell wie möglich in der Dunkelheit verschwinden, das war zunächst mein einziger Gedanke…

Der direkte Link zum Buch lautet: www.lulu.com/../tagebuch-ludwig..


 




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