Hedwig Kolonko – ‘Zwei Gwsichter des Isan’
Es werden Bräuche, Lebensweise, Probleme und Ansichten der Landbevölkerung vorgestellt. Mit den sachlichen Erläuterungen ist die Geschichte der Figuren Jake und Tine verbunden. Sie sind Deutsche, die im Isan ein Kinderdorf errichten wollen und an eine Großfamilie geraten, die sie finanziell unterstützen. Als Tine bemerkt, wie hinterhältig und skrupellos sie von der Familie behandelt werden, flüchtet sie in die Großstadt, wo sie erste helfende Kontakte zu Menschen aus der ganzen Welt knüpft. Das Buch will über die erbärmlichen Verhältnisse, in denen die Familien leben, aufklären und soll gleichzeitig dazu aufrufen, die Gründung des Kinderdorfes zu unterstützen.
Leseprobe:
Was bleibt so einem kindlichen Mädchen übrig als zu tun, was von ihr verlangt wird? Von klein auf wurde jedem beigebracht, dass die Familie an erster Stelle kommt und dass es Aufgabe ist, die Eltern in ihrem letzten Lebensabschnitt zu versorgen. Wenn sich ein junges Ding die Zuneigung des zahlungskräftigen Farrangs mit ihrem knabenhaft schlanken Körper erarbeitet hat, kann sie sicher sein, dass sie unter den weiblichen Familienmitgliedern den Rang der “NUMBER ONE” erwirbt. Darauf ist jedes kleine Töchterchen stolz und spielt die Machtposition auch kräfig gegenüber den anderen in der Familie aus. ICH habe diese Melkkuh, den Farrang zu uns gebracht, nun müsst ihr anderen alles tun was ICH will. ICH habe nun das Sagen und kann mit dem Geld MEINES Mannes euch helfen oder auch nicht – also seid mir ohne Widerstand zu Diensten.’ Alle springen und dienern vor dieser kleinen “number one”, denn jeder aus der Familie will etwas von dem großen leckeren Kuchen für seinen leeren Geldeutel haben. Natürlich auf Kosten des neuen weißen Mitglieds. Ganz ohne das eigene und anstrengende Zutun soll sich ihr Lebensstandard um ein Vielfaches erhöhen. Hat es dieses durchtriebene kleine Thaimädchen mit Tränen oder ähnlich wirkenden Tricks geschafft, ihren jungfrauenhaft Ahnungslosen auf das Land und in das armselige kleine Dorf zu lotsen, dann kann sie meistens ihrer Sache sicher sein. Das leicht beeinflussbare und liebevolle Herz des gutverdienenden Farrangs öffnet sich und er wird versuchen, die allergrößte Not, die sich vor seinen Augen ausbreitet, ein wenig lindern zu helfen. Sollte es aber so sein, dass der gefangene weiße Mann seinen Geldbeutel verschließt, dann ist auch das kein Problem für die Familie. Es gibt mehr als genug von diesen “blauäugigen” naiven Neuankömmlingen im Land, die man so leicht in die Falle der Liebe locken kann. Gegen eine Hilfestellung ist in der Regel gar nichts einzuwenden. Warum sollte einer, der auf der sonnigen Seite des Lebens geboren wurde, nicht einer armen und vom Schicksal geplagten Familie in ihrer schrecklichen Armut helfen? Wenn es im Rahmen des Machbaren bleibt ist es ein gute Sache. Es ist aber etwas anderes, wenn alle gerade an diesen hilfsbereiten Menschen sich bereichern. Wenn sie immer mehr haben wollen und gar nicht mehr aufhören können, ihr Gegenüber bis auf das letzte Hemd auszunehmen, ihn wissentlich belügen und betrügen. Das Schicksal der Familie nimmt seinen Lauf und der jüngsten Tochter Suai wird von den Eltern die ehrenvolle Aufgabe erteilt in einer der Sexmetropolen am Meer nach einem weißen wohlhabenden Mann zu suchen der bereit ist, die finanziellen Probleme der gesamten Familie zu lösen. Obwohl sie schon einen netten, in seinem Sinne ausreichend helfenden Mann als Geldquelle an sich gebunden hat, ist sie immer noch auf der Suche nach dem schönen Prinzen aus 1001 Nacht, der hoffentlich Alles für sie zahlt. Sie schafft es. Sie trifft den Mann der das mitleidigste Herz hat, der über die ausreichenden finanziellen Mittel verfügt und der in keiner Weise einem Geizkragen ähnelt. Es gelingt Suai mit bezahltem Sex, listigen Tricks und reichlich fließenden Tränen, diesen im Lande arbeitenden Farrang dazu zu bewegen, mit ihr einen Besuch im kleinen, ärmlichen Dorf der Familie zu wagen. Was ihn bei diesen Menschen erwartet, hat er sich in keinem seiner kühnsten Träume jemals vorstellen können. Den Vater von Suai, der vor einem immer höher gewordenen Schuldenberg steht, hat er vor dem drohenden Gefängnis bewahrt. Es ist eine Regel, dass bei Nichtbezahlung eines Kredits der Unterzeichner nach einer bestimmten Zeit die Summe in einem der schlecht ausgestatteten Gefängnisse zu einem sehr geringen Tagessatz absitzen muss. So geht es vielen Familienvätern die glauben, ihre Lieben durch die Zuhilfenahme eines Kredits versorgen zu können, den sie aber ohne eine geregelte Arbeit niemals zurückbezahlen können. Schon da strebt der Vater nach Höherem und hat viel im Sinn mit seinem eigenen und willigen Farrang in der Familie, den man auf keinen Fall mehr verlieren und aus den Fängen lassen darf. Durch die Unterstützung seiner Tochter und mit der Freundlichkeit und dem Charme der ganzen Familie gelingt es ihm leicht, Jake davon zu überzeugen, dass hier im Dorf der richtige und willkommene Platz für ihn sei, da er schon immer Sehnsucht nach einer großen und intakten Familie hat. Für seine tägliche Arbeit am Computer stellt es kein Problem dar, von welchem Ort der Erde sie gemacht wird. So erliegt Jake dem umwerfenden Charme der Kinder mit ihren großen Kulleraugen, die ihn sofort als ihren eigenen Daddy erkennen, den verheißungsvollen Liebesversprechungen und dem Gefühl, endlich in einer liebevollen Familie einen sicheren Platz für immer gefunden zu haben. Mit Hilfe seines gut und regelmäßig fließenden Verdienstes baut er ein schönes Areal von Häusern auf. Ein kleines Dorf im Dorf, da der geschäftlich denkende Vater die Gunst der Stunde nutzt und alle seine weit verstreuten Kinder, samt Kindeskindern, wieder nach Hause in die Familie holen kann.
165 Seiten
Paperback
12,50 €
ISBN 978-3-941848-05-4