G – Von alten Zeiten
In diesen Tagen erscheint im Cheruskerverlag Langwedel Rajymbeks neuester Erzählband »G – Von alten Zeiten«
Die, die Geschichten aus einer Zeit vor und kurz nach dem zweiten Krieg erzählen könnten, werden immer weniger. Was wissen wir von unseren Großeltern und Urgroßeltern? Viele ihrer Schilderungen habe sie bereits für immer mit in ihre Gräber genommen, manche sind längst vergessen und nur einige bleiben uns für kurze Zeit in Erinnerung. Geschichte ist nicht immer das große, weltbewegende Ereignis, Geschichte ist vor allem das Leben der kleinen Leute.
Damit das Leben von zwei bemerkenswerten Frauen nicht endgültig aus unserem Gedächtnis verschwindet, hat Rajymbek ihre Lebensbeschreibungen in seinem Erzählband »G- Von alten Zeiten« vorgenommen. Wahrheit vermischt sich mit Dichtung, Dichtung mit Wahrheit, zwei Schicksale, die in ihrer Authentizität den Leser zum Weinen und Lachen bringen.
Gertrud stammt aus dem Schlesischen. Ihre Geschichte beginnt kurz vor dem ersten Weltkrieg und endet zur Jahrtausendwende. Sie hat die schwere Zeit der Wirtschaftskrise erlebt, den zweiten Weltkrieg hautnah gespürt, die Vertreibung aus ihrer schlesischen Heimat und die Flucht erduldet. Sie war eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben stand, stets fleißig und hart gearbeitet hat und trotz aller Schwierigkeiten Freude an ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln hatte. Ein Frau, wie viele andere auch – und doch eine besondere.
Gretha verlebte ihre Jugend im Brandenburgischen, wurde als junges Mädchen missbraucht, befreite sich von dieser Tortur, ohne sie vergessen zu können. Als Krankenschwester erlitt sie im Nachkrieg schwerste Verletzungen, gebar drei Kinder, die sie wieder verlor, heiratete wiederholt, hoffend auf ein langzeitiges Glück. Sie war eine Frau, die vom Schicksal besonders gestraft scheint und doch nie die Hoffnung verlor.
Die Geschichte Geschichten der beiden Frauen wurde voller Gefühl beschrieben. Rajymbek hat seinen erzählerischen Stil der Zeit angepasst. Man spürt, dass er seine Protagonistinnen mag. Vielfach stößt man auf Anekdoten aus dem Alltagsleben zweier einfacher Frauen, denen nichts Glamouröses anhaftet. Rajymbek zeigt das harte und entbehrungsreiche Leben der beiden, ihren Kampf ums Überleben, ihre kleinen Freuden und tränenreichen Verluste. Trotz allem gab in beider Leben zauberhafte Momente und überschäumende Emotionen, die den Leser zum Lachen und Weinen anregen. Lesenswert sind die beiden unterhaltsamen Biografien allemal.