Drei Leben für Deutschland – Stauffenbergs Karma

Claus von Stauffenberg mit Kindern und Neffe

Motiviert durch das teilweise erfolgreiche Lösen von Hassgefühlen durch Hellingers Familienaufstellung will der Ingenieur Konrad Maria seiner Angst vor der Reinkarnationstherapie in die Augen schauen – und erlebt tief bewegende Szenen als Claus von Stauffenberg.

Das verändert sein Leben. Erinnerungen, Ausschläge an seinen Händen, scheinbar irrationale Ängste und Ahnungen – sie alle könnten sehr gut zu den Erlebnissen des damaligen Widerstandskämpfers passen. Konrad sieht sich herausgefordert, die in gleicher Weise schockierenden wie faszinierenden Parallelen zu seinem jetzigen Leben zu ordnen und mit Fachleuten darüber zu diskutieren. Er besucht einen noch lebenden Sohn von Stauffenbergs und erfährt Rätsel, die nur der wiedergeborene Claus lösen könnte.

Warum hatte er nicht beide Pakete für das Attentat benutzt, deren Sprengkraft dann sicher ausgereicht hätte? Und was war seine Motivation, sich für das geheime Deutschland des symbolistischen Kosmikers Stefan George zu opfern?

Nach fünf Jahre der Forschung in Literatur und Internet sowie durch Diskussionen mit Fachleuten und anderen Reinkarnierten versteht Konrad einige Prinzipien der Wiedergeburt und stellt erstaunt fest, dass seine Lösung für beide Rätsel einer Prophezeiung des Dichters Stefan George entspricht, die dieser in einem Gedicht versteckt hatte.

Konrad versteht seinen Weg endlich als logisch über drei Leben. Seine letzte Aufgabe ist es, die gefundenen Zusammenhänge aufzuzeigen und dazu beizutragen, dass die Mehrheit der Menschheit sich vor der sicheren Selbstauslöschung als wiedergeboren und göttlich erkennt und deswegen alles unternimmt, um diesen Planeten Erde zu retten. Wie 1944 waren er und wenige andere in ihrem Denken und Handeln der sie umgebenden Gesellschaft voraus. Würde diese wie damals mit der totalen Ablehnung reagieren? Wie 1944 hat er auch diesmal keine Wahl, denn sonst würde er zum “Verräter vor seinem eigenen Gewissen“.

Konrad stieg in seinen grünen VW-Lupo und fuhr los. Es war nass, kalt und dunkel, als er an diesem 2. November 2005 um sieben Uhr morgens zu einem Reinkarnationstherapeuten aufbrach. Er war nervös, denn er wusste nicht, was dort über sein letztes Leben herauskommen würde.

War er ein schlechter Mensch gewesen? Hatte er den Tod von anderen Menschen verursacht? Oder woher kamen sonst die vier Blockwirbel von Geburt an? War es die gerechte Strafe Gottes für vier Morde?

Hoffentlich würde er endlich eine plausible Antwort für die Aggressionen bekommen, die ihn seit 1997, seinem 35. Lebensjahr peinigten. Von einem Tag auf den anderen hatte er im Bett Visionen von gewalttätigen Aktionen gegenüber dem Geschäftsführer eines Herstellers für Blockheizkraftwerke. Anstelle sich für Preissenkungen einzusetzen, erhöhte dieser Mann jedes Jahr die Preise um bis zu 10% und nötigte Konrad und andere Vertriebsingenieure zum Betrügen seiner Kunden. Am liebsten hätte sich Konrad mit ihm in die Luft gesprengt!

Hilfreich war zu dieser Zeit die Zugehörigkeit zu einer kleinen, interreligiösen Gruppe: Saghar Bhupen. Dort hatte Konrad eine große Verbundenheit zu Gott gespürt und den Ansatz, alle Religionen durch das Singen von Liedern zu ehren, für richtig empfunden. Als er jedoch sanft aufgefordert wurde, endlich Saghar Bhupen in Indien zu besuchen, stellten sich Zweifel ein. Dass dieser sich als Inkarnation von Jesus bezeichnete, erschien Konrad fragwürdig. Was, wenn er ein Betrüger war? Wäre Konrad dann nicht sehr wütend? Würde er sich dann vielleicht nicht mehr zurückhalten können und auf den Betrüger ein Attentat unternehmen? Aber was würde ihm das bringen? Als er in sich hinein spürte, stieß er auf ein Gefühl des Triumphes gekoppelt mit einer gewaltigen Welle des Hasses der Gesellschaft, die sich auf ihn konzentrierte und die er freudig-schaurig empfing.

Konrad sah selbst ein, dass diese Gefühle irrational waren. Anstelle nach Indien zu fahren, war es zweifellos besser, zuerst einmal herauszufinden, ob in einem vorigen Leben irgendetwas passiert war, das die Aggressionen erklären könnte – dazu würde Konrad also eine Rückführung machen.

Leider war durch die Aggressionen auch die Ehe kaputt gegangen! Dabei hatte er seine Frau doch wirklich geliebt! Niemals wollte er es dazu kommen lassen, dass seine Töchter getrennt von ihm aufwachsen sollten. Und doch hatte er manchmal seine Wutanfälle, in denen er die Beziehung stark schädigte. Besonders an jenem 21. Juli 1999 hatte er sich nicht mehr zurückhalten können, herumgeschrien und die Deckenlampe zertrümmert. Der Anlass war nichtig gewesen.

Seit zwanzig Jahren war er nun auf dem Weg, Gott zu finden. Zahlreiche Unfälle hatten sich wie zufällig ereignet, bis Konrad an Zufälle nicht mehr glauben konnte. Es musste etwas geben, was Gott ihm mitteilen wollte! Das stärkste Erlebnis war wohl mit sechzehn, als er mit seinem Freund durch den Wald fuhr und sie das erste und einzige Mal beim Bergabfahren anhielten. Ein nicht sofort sichtbarer Draht in Halshöhe hätte beiden mit Sicherheit den Kopf abgerissen, wenn sie nicht angehalten hätten. Zusammen mit den anderen mindestens vier lebensbedrohlichen Unfällen ergab sich nun für Konrad die Gewissheit, dass das keine Zufälle waren. Er glaubte, dass Gott sagen wollte: “Ich bin bei Dir! Suche mich und vertraue mir!”

Und dann gab es noch diese seltsamen Äußerungen in Stresssituationen in der Arbeit. Als durch einen Fehler der Zentrale die Existenz der Firma in Frage gestellt wurde und die Anweisung kam, schneller zu arbeiten, hatte Konrad auf einer Betriebsversammlung gesagt: “Das ist ja wie in Stalingrad! Haltet aus, der Führer haut Euch raus! Wir werden doch alle zum Narren gehalten!” Konrad hatte es richtig erkannt: Durch die Fehlentscheidung des Vertriebsleiters, die eigene Nettopreisliste um 30% zu unterbieten, musste die Aktiengesellschaft diesen Zweig abstoßen und an amerikanische Wettbewerber verkaufen. Doch warum kam der Vergleich mit Stalingrad, der auch die Kollegen schockiert hatte?

Ähnlich war es bei den Blockheizkraftwerken. Konrad wurde von der Frau des Geschäftsführers wegen seiner Skrupel, Kunden zu betrügen, lächerlich gemacht: “Ich habe auch schon Handcreme für 2 Mark eingekauft und für 14 Mark verkauft. Du musst es einfach genauso machen!” Konrad entgegnete ihr: “Mussten Deine Kundinnen auch einen Kredit über 30.000 € auf die Handcreme aufnehmen? Bei meinen Kunden bedeutet eine Fehlentscheidung die Bedrohung der finanziellen Existenz! Soll ich zu Ihnen sagen: Kinderlein: Kommt zum Duschen! Und dann den Gashahn aufdrehen? Ist es das, was Dir vorschwebt?”

Überhaupt hatte ihn die Nazizeit sehr beschäftigt, nachdem er mit 14 Jahren den Film “Holocaust” gesehen hatte. Er konnte die Schuld kaum ertragen, die die Deutschen auf sich geladen hatten. Mit seinem Großvater lieferte er sich emotionale Auseinandersetzungen, als dieser sich abfällig gegenüber Juden äußerte.

Seine Klassenkameraden interessierten sich wenig für die Zeit von 1933 bis 1945, die Konrad fesselte, über die er einfach alles wissen musste. Mit jedem Mensch, der dafür offen war, diskutierte Konrad verschiedene Aspekte des zweiten Weltkrieges. Nun, wenige Minuten vor dieser speziellen Therapie, bei der ihn der Therapeut in einen Trancezustand versetzen und in sein letztes Leben führen würde, spekulierte er über seine Rolle im letzten Leben und tippte auf einen Unteroffizier an der Ostfront, der vier Soldaten in einen sinnlosen Einsatz geschickt hatte.

Auf den Therapeuten Hannes Moser war Konrad über das Internet und einen Schnupperkurs gekommen. Moser war ein Schüler des bekannten Thorwald Dethlefsen gewesen. Dieser hatte zusammen mit Rüdiger Dahlke das Buch “Krankheit als Weg” geschrieben, das Konrads Eltern und auch Konrad selbst gelesen hatte. Also musste Moser gut sein. Im Schnupperkurs, den Konrad wegen des Rundatmens, eine Form des Atmens ohne Pause zwischen Ein-und Ausatmen, an eine Schwangerschaftsgymnastik erinnerte, hatte er einen blauen Sarg gesehen, der im Wald auf einer Lichtung stand und von der Sonne angestrahlt wurde.

Da Konrad noch nie solche Bilder im Traum gesehen hatte, entschloss er sich, die einwöchige Therapie für 800 € zu machen. Seine größte Sorge war es zunächst, überhaupt Bilder zu bekommen. Aber in der ersten Sitzung am Montag lief es überraschend gut. Moser hatte Konrad ein einsames Haus im Wald beschreiben lassen und in den Keller geschickt. Dort war Konrad in einen Gang gekommen, einem alten König mit Vollbart und Krone auf dem Kopf begegnet und immer weiter in die Höhle gegangen, um dort schließlich einsam zu verhungern oder zu verdursten. Die erste Sitzung sollte Moser als Hilfestellung dienen, um zu erkennen, wo Konrad gerade in seinem Leben steht. Beide waren über die beschriebene Situation erstaunt, besonders Konrad, der an sich selbst spontan eine Depression diagnostizierte. Seit wann hatte er diese wohl schon?

Am Dienstag war Moser weniger zufrieden. Konrad sollte sein Problem beschreiben. Zwar hatte Konrad Bilder bekommen, diese schienen Moser jedoch nicht ins Konzept zu passen, denn Konrad sah sich wie körperlos mitten in der Fußgängerzone einer belebten Großstadt völlig passiv unter den hektisch und wie ferngesteuert herumlaufenden Menschen. Wie sollte das zu Konrads Problem passen?

1. Die Rückführung

“Und nun gehe zurück in Dein letztes Leben!” sagte Moser, mit der für ihn typischen gelangweilten Stimme. Im gleichen Augenblick sah Konrad zunächst von außen die Person des Claus von Stauffenberg in Uniform eine Treppe hinuntergehen. “Das ist doch absurd! Das ist lächerlich! Ich und Stauffenberg! Was für ein Quatsch!” dachte Konrad. Die Idee mit der Rückführung kam ihm lächerlich vor und am liebsten wollte er abbrechen, denn das konnte ja nicht sein. “Sucht sich vielleicht jeder unbewusst eine berühmte Persönlichkeit aus?” fragte sich Konrad. War Moser nun wieder unzufrieden mit Konrad – wie gestern?

Doch Moser unterstützte Konrad in seinen Bildern: “Welcher Tag ist heute? Wo bist Du?” fragte er Konrad. “Ich bin in Berlin. Es ist der 20. Juli 1944 am Nachmittag, als klar wird, dass der Anschlag fehlgeschlagen ist”, antwortet Konrad. “Sie werden uns alle töten. Mich und alle, die ich überredet habe auch! Am liebsten wäre ich ganz allein in einer Höhle.” Da war wieder das Bild vom ersten Tag! Depression und Höhle passten doch zu dieser Situation. Nun wurde Konrad ganz kalt. Die Geschichte wurde langsam unheimlich!

Stefan Bauer


 




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