Abschied vom kybernetischen Ökonomie-Gleichgewicht!

Mitsu tomoe: Sonne, Himmel, Erde, Mensch

Aus meinen Aufsätzen wissen Sie bereits, das unsere Natur (Teile UND Ganzes) dem Entropie-Prinzip unterliegt. Alles was wir einmal benutzen wird nie wieder dieselbe Qualität und Menge erreichen! Auch nicht durch recyceln. Weshalb alles irdische dem Untergang anheim fällt. Die Zeit (Dynamik) und die Sonne (Teil + Welle; Energie, Licht, Wärme) unterliegen einem permanenten Wandel. Heute beschreibe ich, das unsere Natur sich deshalb auch nie in einem Gleich-Gewicht (Still-Stand) befindet. Durch vitalistisches Denken können wir die natürlichen Prinzipien auf die Ökonomie übertragen. Dies ist die Basis meines PDS(R)-Unternehmens-Beratungs-Konzeptes.

Quelle: Warum Charles Darwin ein Segen für die Ökonomie ist.

Malte Buhse ( Online), Quelle: Handelsblatt Online, 11:52 19.08.2010; [Autor]

Lassen sie mich zunächst auf zwei Besonderheiten hinweisen:

  • Kybernetik: Gleich-Gewicht bei einer Balken-Waage bedeutet Stillstand. Die Mechanistik kennt deshalb bei einer Maschine die Zustände: off ODER on
  • Kybernetik: Ansonsten benutzen wir beim z. B. Auto den ausgekuppelten Zustand.
  • Systemik: Das Leben wendet komplementär das Fließ-Gleich-Gewicht (Homöostase) an. Es folgt immer ein neuer Impuls bevor das System zum Stillstand kommt. Die Vitalistik kennt deshalb bei einem Lebewesen die Zustände: Aktivität (Sympathikus) ODER Ruhe (Para-Sympathikus) ODER Tod.

Die Gesetzmäßigkeiten der Natur (Systemik) sind von den Gesetzen der Kulturen (Kybernetik) unterschiedlich! Wir unterscheiden deshalb auch das

  • mechanistische Welt- und Menschen-Bild, und das
  • vitalistische Welt- und Menschen-Bild.

Im Interesse eines geringsten Reibungsverlustes sollten eigentlich beide stets komplementär sein!

Unterscheiden wir die beiden in meinem neuen Denk-Modell:

Systemik 1. Ordnung = Kybernetik 3. Ordnung
Natur: Offenes System # Kulturen: Geschlossene Systeme
1 Umwandlungs-Kreislauf, autonomes Feedback # n Wertschöpfungsketten
Systemik 2. Ordnung = Kybernetik 2. Ordnung
Systemik 3. Ordnung = Kybernetik 1. Ordnung
Molekül, 1-Zeller # Atom
Systemik: Evolutions-Prozess dessen geregeltes Ergebnis offen ist.
Kybernetik: Prozesse dessen gesteuerte Ergebnisse gewollt sind.
© Copyright 2009 by Wolfgang Schwalm, all rights reserved!

Daraus können wir folgende Erkenntnisse ableiten:

  • Unternehmens-Beratungen versagen deshalb bis zu 80 %, weil Unternehmen Geschlossene Systeme 3. Ordnung sind und die darin befindlichen Menschen sind Systeme 1. Ordnung.
  • Erfolg-Reiche Unternehmen befriedigen den größten Engpass ihrer Zielgruppen: Mercedes (Mobilität und Luxus), Kärcher (Reinigung und Komplexität), HILTI (professionelles Bauzubehör und Haltbarkeit), …

Wie in der Natur – nur anders: Die Unternehmen bestreiten einen täglichen Kampf ums Überleben.

Als Bünstorf mit seinem Kollegen Steven Klepper erforschte, wie die kleine amerikanische Stadt Akron Anfang des 20. Jahrhunderts zur Hauptstadt der Reifenproduktion aufgestiegen ist, stieß er auf Gesetzmäßigkeiten, die man eigentlich aus der Biologie kennt:

Evolution, Ökologie:+ Innovation, Ökonomie:

  1. Mutation (Vererbung), + Erfindungen, Innovationen
  2. Selektion und das + Wettbewerb: Qualität, Quantität, Preis, Image
  3. Überleben des besser Angepassten.+ Die 4 Produkt-Lebens-Phasen.
  4. Wachstum und Entwicklung zur max. Komplexität!

Erinnern wir uns an die praktische Erfahrungen:

  1. 4,55 Milliarden Jahre seit der Entstehung der Erde.
  2. 2,55 Milliarden Jahre seit der Entstehung der Eiszeitlichen Pflanzen und Tierwelt.
  3. 10 000 Jahre existiert der moderne homo sapiens in Europa.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Akron die drei Reifenhersteller Goodyear, Firestone und Goodrich gegründet. Die aufstrebende Autoindustrie im benachbarten Detroit bescherte den Unternehmen bald ein gutes Geschäft – das lockte neue Firmen aus den ganzen USA an. Doch die Zugezogenen konnten sich in Akron nicht durchsetzen, obwohl die Zahl der erfolgreichen Reifenhersteller stark anstieg.

Sie wurden im Wettbewerb um das Überleben des Stärkeren geschlagen von Unternehmen, die vor Ort gegründet wurden und eine entscheidende Stärke quasi vererbt bekommen hatten: Die meisten erfolgreichen Reifenhersteller waren als sogenannte Spin-offs aus den drei Ursprungsfirmen hervorgegangen und hatten aus ihren Mutterunternehmen wertvolles Fachwissen mitgenommen. Das brachte ihnen entscheidende Wettbewerbsvorteile. “Erfolgreiche Unternehmen bringen erfolgreiche Spin-offs hervor” lautete die These, die Ökonom Bünstorf daraus ableitete. Belege dafür fand Bünstorf auch in anderen Branchen, zum Beispiel der deutschen Laser-Industrie.

Biologische Gesetze lassen sich nicht eins zu eins auf die Wirtschaft übertragen.

Statistisch nachweisbar bleiben nach der ersten Angebotsbereinigung ca. 7 Unternehmen übrig!

Biologische Begriffe wie “Vererbung” nehmen Anhänger der evolutorischen Ökonomik aber nur ungern in den Mund. “Die Biologie liefert Inspirationen, aber ihre Gesetze lassen sich nicht einfach eins zu eins auf die Ökonomik übertragen”, sagt Marco Lehmann-Waffenschmidt, der an der Technischen Universität Dresden zur evolutorischen Ökonomik forscht. Auch Ulrich Witt warnt: “Solche Analogien passen nie perfekt.” Einig sind sich die Evolutionsökonomen aber, dass die Denkmuster aus Biologie und Evolutionstheorie helfen, ökonomische Prozesse besser zu verstehen.

Einer der Ersten, die versuchten, mit den Erkenntnissen von Charles Darwin wirtschaftliche Prozesse zu erklären, war Joseph Schumpeter. Er entwarf Anfang des 20. Jahrhunderts eine Theorie des Wettbewerbs zwischen Unternehmen. Auch Schumpeter glaubte nicht an Gleichgewichte, wie sie die neoklassische Ökonomik beschrieb: “Es gibt innerhalb des Wirtschaftssystems eine Energiequelle, die aus sich selbst heraus das Gleichgewicht stört.” Diese Energiequelle fand der Forscher in den Forschungsabteilungen der Unternehmen. Laut Schumpeter befinden sich Unternehmen in einem ständigen Wettbewerb um Marktanteile. Wer ein neues Produkt erfindet oder seine Produktionsanlagen effizienter macht, gewinnt Marktanteile und kann andere Unternehmen aus dem Markt drängen.

… niemand liebt Gleichgewichte so sehr wie Ökonomen. Denn befindet sich ein Markt im Gleichgewicht, sind die Preise gerecht, und der Wohlstand ist hoch. Eine ganze Volkswirtschaft im Gleichgewicht würde Wirtschaftswissenschaftler auf der ganzen Welt zu Tränen rühren und rauschhafte Partys in Universitäten und Forschungsinstituten zur Folge haben. Doch dazu wird es wohl nie kommen. “Gleichgewichte sind idealisierte Grenzfälle”, sagt Ulrich Witt vom Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena. “Auf den meisten Märkten werden sie nicht erreicht.” Diese Erkenntnis macht Wirtschaftswissenschaftlern schon lange zu schaffen. Wann immer sie das Fenster aufmachen, sehen sie, dass die Welt ganz anders ist als in den großen ökonomischen Theorien angenommen. Von den in der Mainstream-Ökonomik beschworenen Gleichgewichten ist da draußen nur wenig zu sehen. Auf Angst und Absturz folgen Euphorie und Aufschwung. Erfolgreiche Unternehmen geraten plötzlich in Schwierigkeiten, weil keiner mehr ihre Produkte kaufen will. Die reale Wirtschaftswelt tut vor allem eines: Sie verändert sich ständig.

Pantha rhei sagte Heraklit: Alles fließt. Alles befindet sich in ständiger Bewegung und Veränderung. In Folge auch unsere Kulturen. Allein das jährlich neue MitarbeiterInnen ins Unternehmen kommen und andere ausscheiden. Durch Veränderung der Nachfrage verändert sich auch das Angebot. Leider versuchen Firmenchefs eine größtmögliche RUHE bzw. ORDNUNG (Deterministik) ins Unternehmen zu bringen: Kontrolle, Kritik, Korrektur rückwärts. Die höchste Form der Ordnung aber ist der Tod! Jedes Unternehmen muss sich verändern, sich den wandelnden Kunden-Bedürfnissen anpassen, es muss sich also ständig neu erfinden, bevor andere es tun (Schumpeter).

Evolutionstheorie, Biologie: Der britische Naturwissenschaftler Charles Darwin (1809-1882) hat Mitte des 19. Jahrhunderts die Evolutionstheorie begründet. Demnach hat sich die Natur- und Pflanzenwelt durch eine natürliche Selektion im Laufe der Jahrtausende nach und nach entwickelt. Ein Vitalistisch-Systemischer Regelungs-Prozess!

Darum kaufen Menschen:

Ökonomie: Der erste Wirtschaftswissenschaftler, der Darwins Thesen aufgriff, war der amerikanische Ökonom Thorstein Veblen (1857-1929). Ähnlich wie in der Pflanzen- und Tierwelt finde auch in der Volkswirtschaft ein permanenter [Innovations-/Wettbewerbs-Prozess] Evolutionsprozess [Ein mechanistisch-kybernetischer Steuerungs-Prozess!] statt, argumentierte Veblen. Triebfedern dieser Entwicklung [Innovations-Prozess] seien:

  • die menschliche Kreativität,
  • die Neu-Gierde und
  • der Hang zur Nachahmung.

Nur wer diese Prozesse berücksichtige, könne die Wirtschaft richtig verstehen. [Die dazu notwendigen menschlichen Energien sind neuro-physiologisch nachweisbar!]

Die menschlichen Grund-Eigenschaften (s. meine separate Informationen hierzu) führen zu einem leicht egoistisch-variablen gemeinschaftlichen Verhalten (homo eciprocams. Es gibt keinen homo oeconomics!). Unerfüllbare Wünsche werden durch Neurosen kompensiert (Ersatz-Befriedigung).

  1. Die menschlichen 3 Kauf-Grund-Antriebe sind: Nahrung, Paarung und Wohnung
  2. Die menschlichen 3 Kauf-Grund-Bedürfnisse sind: Selbst-Wirksamkeit, Dazugehören, Selbst-Verwirklichung

Menschen sind Individuen UND Sozial-Wesen:

  • Deshalb wechselt ständig das Angebot und die Nachfrage (push-pull-Prinzip) in der Kauf-Dynamik.
  • Deshalb werden in Wert-Schöpfungs-Ketten aus Roh-Stoffen Premium-Artikel geschaffen: un-vergleichbare Wert-Objekte (Werte-Welt > Waren-Welt).
  • Deshalb bevorzugen sie neben Veränderungen (Längsschnitt) auch die Heterogenität (Querschnitt).

Zur Erinnerung:

  1. UnsereÖkologie (Natur) entwickelt sich nur langsam in Raum-Zeit-Materie-Energie: Evolution, Regelung.
  2. Unsere Ökonomien (Kulturen, Welt-Wirtschaft, Volks-Wirtschaften) verändern sich in kleineren und größeren Zyklen (Kontradieff): Wachstum und Entwicklung, Innovation, Revolution, Steuerungen.

Der Ökonom Thorstein Veblen stellte die These auf, dass auch die Wirtschaft den darwinistischen Gesetzen von Adaption und Selektion folge, und schuf den Begriff “evolutorische Ökonomik”. Diese Forschungsrichtung hat inzwischen viele Anhänger gefunden, die sich von der Gleichgewichtsannahme der Mainstream-Ökonomik lösen wollen … Dort gelten Unternehmen als fertige Akteure, deren Handeln untersucht wird. Dabei ist die Frage, wie sie entstehen und wo sie sich ansiedeln, vor allem für Politiker interessant, die viel Geld in Gewerbeparks und Programme zur Existenzgründung stecken.

Evolutionsökonomik: Unternehmen müssen sich wandeln und anpassen.

Die Angst vor dem Marktaustritt befeuert einen Innovations-Wettlauf, in dem sich kein Unternehmen lange auf seinen Errungenschaften ausruht. Die Unternehmen stehen in einem täglichen Kampf ums Überleben und verändern sich ständig – genug (?).

Handwerk > Industrien > Börsen > Märkte

Schumpeters Theorie lässt sich auch auf andere Bereiche der Wirtschaft übertragen. Ökonom Lehmann-Waffenschmidt glaubt: Auch die Verbraucher stehen in einem Wettbewerb um den besten Konsum: “Es gibt Vorreiter, die einen bestimmten Konsum vorleben, den andere dann imitieren.” Dadurch ändere sich die Nachfrage; Nischenprodukte könnten plötzlich zu Kassenschlagern werden.

Ein Beispiel ist der Aufstieg von biologisch angebauten Lebensmitteln aus den muffigen Ecken der Bioläden in die vordersten Regale der Supermärkte. In einer Welt, die nach den Modellen der Mainstream-Ökonomik funktioniert, wäre so etwas undenkbar, da dort die Vorlieben der Verbraucher unveränderlich sind.

Kriterien für die Vergleichbarkeit von Natur und Kulturen ist z. B. folgendes Prinzip:

  • Das Effizienz-Prinzip: Mit einem geringsten Einsatz die größt möglichste Wirkung erzielen.
  • Das Kausalitäts-Prinzip: Eine Wirkung hat mind. 1 Ur-Sache.

Das Miteinander von Regelung (Natur) UND Steuerung (Kultur) sowie die Dynamik von den Teilen UND dem Ganzen sollten wir intelligent in unseren modernen Gesellschaften für eine kontinuierliche moderate Entwicklung nutzen. Geben wir den 20 % Modernisten mehr Spielraum ´alte Zöpfe ab zu schneiden´!

Wolfgang Schwalm (WSchwalm@gmx.de)


 




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